Schnell waren sich Romani Rose und Dr. Norbert Himmler einig: „Wir haben beide die gleichen Ziele.“ Nämlich, die Demokratie zu schützen und die Werte des Grundgesetzes zu verteidigen. Über Möglichkeiten des gemeinsamen Vorgehens haben sich der Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) und der Vorsitzende des Zentralrates und des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg ausgetauscht. Dabei stand auch eine Führung durch die Dauerausstellung zum Völkermord an der Minderheit zwischen 1933 und 1945 auf dem Besuchsprogramm. „Die Bürgerrechtsbewegung hat für Sinti und Roma viel erreicht“, betonte Romani Rose. Das starke Anwachsen von Antisemitismus und Antiziganismus aber sei eine Entwicklung, die er mit Besorgnis beobachte. „Das ist nicht nur eine Sorge der Minderheit, es gibt viele Menschen, denen das Angst bereitet.“

Norbert Himmler verdeutlichte, dass genau an dieser Stelle sein Auftrag als Intendant ansetze: „Durch unser umfassendes und reichweitenstarkes Informationsangebot auf allen Plattformen – vom klassischen Fernsehen übers Streaming bis hin zu unseren Social-Media-Accounts – wollen wir das Demokratieverständnis nachhaltig fördern und damit letztlich den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.“ Um damit bereits Kinder und Jugendliche zu erreichen, habe der Sender die Initiative „ZDF goes Schule“ ins Leben gerufen. Diese baue auf vertiefte Wissensvermittlung für den Unterricht durch leichtere Zugänge zu Bildungsinhalten, die sich aus Erklärvideos und Unterrichtsmaterial, Arbeitsblättern und Themenpaketen zusammensetzen. Zudem sei ein Netzwerk mit über 100 Partnerschulen etabliert worden, die von Moderatoren, Studioleiterinnen und Reportern des ZDF aufgesucht werden, um dort Medienkompetenz zu vermitteln.
Ein wichtiger Bestandteil sei natürlich auch, über die Geschichte und Kultur der Sinti und Roma zu informieren. Norbert Himmler nannte gleich mehrere konkrete Beispiele: ein Video von „Mr.Wissen2go“ über die Minderheit, sowie den Dokumentarfilm eines jungen Regisseurs, der aus einer Roma-Familie stammt und an der Filmhochschule in Ludwigsburg studiert, und ein filmisches Porträt über den Holocaust-Überlebenden Christian Pfeil, die beide zeitnah entstehen werden. Diese und weitere Beiträge sollen dann auch in der Mediathek des ZDF abrufbar sein.
Romani Rose lobte insbesondere den Ansatz, bereits in Schulen über die Minderheit aufzuklären. „Wir müssen Kindern und Jugendlichen ein Grundwissen über Sinti und Roma anbieten. Deshalb gehören zahlreiche Kooperationen mit Schulen bereits seit vielen Jahren zum Engagement des Dokumentationszentrums.“ Der Vorsitzende des Zentralrats erinnerte zudem an den Appell, den er während der Gedenkveranstaltung am 2. August 2026 in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau an die Mitgliedsstaaten des Europarates und der Europäischen Union übergeben hat. Darin bittet der Zentralrat darum, in den Bildungseinrichtungen über die jahrhundertealte Geschichte von Sinti und Roma in ihren Heimatländern zu informieren und auf ihre Beiträge zu Kunst, Musik und Kultur hinzuweisen.
An Norbert Himmler richtete er überdies das Angebot, dass Mitarbeitende aus Heidelberg Journalistinnen und Journalisten des ZDF für die Berichterstattung über die Minderheit sensibilisieren könnten, um klischeehafte Bilder und Stereotype in den Beiträgen zu vermeiden. Der Intendant sicherte zu, diesen Hinweis auch an die zuständigen Redaktionen weiterzugeben. Abschließend vereinbarten Rose und Himmler, weiterhin im konstruktiven Dialog zu bleiben.


