Kulturtage der Sinti und Roma 2019: „Kunst und Gesellschaft“ – Vernissage und Podiumsgespräch mit Alfred Ullrich

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Datum
Sonntag 23. Juni 2019
14:00 Uhr

Veranstaltungsort
Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma
Bremeneckgasse 2
69117 Heidelberg


„Ich arbeite mit und gegen das Material, was sich eigentlich auch übersetzen lässt für meine künstlerische Arbeit – ich arbeite mit und gegen die Gesellschaft, um herauszufinden, in welchem Verhältnis sich die Gesellschaft zu den Sinti und Roma heute befindet.“

Alfred Ullrich

Alfred Ullrich wuchs in Wien auf und lebt heute im Dachauer Land. Er ist der Sohn eines Deutschen und einer österreichischen Sintezza. Als solcher fühlt er sich als Außenseiter unter Außenseitern. Seine vielfältigen Arbeiten kreisen um die Frage, in welchem Verhältnis sich die (deutsche) Gesellschaft zu den Sinti und Roma befindet. Seine Erfahrung dabei: Ohne Provokation ist es schwer, Stellungsnahmen zu erwirken. Also zwingt er provokant, aber auch immer bitter-charmant, den Betrachter Position zu beziehen. Ullrich versucht aber nicht nur, die jahrhundertelang tradierten und im kollektiven Unterbewusstsein der Gesellschaft festsitzenden Vorurteile der Gesellschaft aufzulösen, zum Nachdenken und Anders-machen zu animieren, sondern er verarbeitet auch seine eigene Familiengeschichte: Alfred Ullrichs gesamte Familie wurde in Konzentrationslager verschleppt und die meisten von ihnen kamen dort ums Leben. Seine Mutter war in mehreren Lagern und verlor dort Eltern, zwölf Geschwister und ihren ersten Sohn. Sie überlebte die Gefangenschaft, aber die Traumatisierungen prägten auch ihren Sohn Alfred: Themen wie Schmerz, Tod und Verletzlichkeit sind somit naturgemäßer Teil seiner Arbeiten.

Um deutliche politische Zeichen zu setzen, verlässt sich Alfred Ullrich, dessen Kunst meist in der Berliner Galerie KAI DIKHAS (Romanes für Ort des Sehens) präsentiert wird,  nicht mehr nur auf seine Druckkunst allein, sondern tritt auch mehr und mehr als Aktionskünstler in Erscheinung.

So auch bei den ersten „Kulturtagen der Sinti und Roma 2019“ in Heidelberg. Dort werden vom 23. Juni bis 5. Juli seine Druckgrafiken in einer Sonderausstellung im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma gezeigt. Die Ausstellung wird am 23. Juni um 14 Uhr mit einer Vernissage im Dokumentationszentrum eröffnet. In diesem Rahmen findet auch eine Podiumsdiskussion zum Thema „Kunst und Gesellschaft“ mit Alfred Ullrich, Stefan Hohenadel, stellv. Leiter des Kulturamts Heidelberg, und André Raatzsch, Referatsleiter Dokumentation im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, statt.

Der Künstler wird außerdem am 22. Juni um 16 Uhr im Rahmen einer künstlerischen Intervention mit dem Titel „Wem gehört Heimat?“ in die Gesellschaft „eingreifen“. 

In Kooperation mit der kommunalen Behindertenbeauftragten der Stadt Heidelberg steht bei der Veranstaltung eine mobile Induktionshöranlage für hörbeeinträchtigte Menschen zur Verfügung.

Der Eintritt ist frei.


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