Auschwitzüberlebender Max Lauenburger verstorben

Der Zentralrat, das Dokumentations- und Kulturzentrum und der gesamte Vorstand trauern um Max Lauenburger, der am Sonntag, den 28. Juni 2020 in Ingolstadt im Alter von 95 Jahren gestorben ist. Max Lauenburger engagierte sich zeitlebens als Überlebender des Holocaust in der Erinnerungsarbeit und klärte als Zeitzeuge insbesondere die jüngere Generation der Sinti und Roma über die Verfolgung der Minderheit während des Nationalsozialismus auf. Er begleitete die Delegationen des Zentralrats über viele Jahre am 2. August zur internationalen Gedenkfeier nach Auschwitz-Birkenau, wo er sich mehrfach als Gesprächspartner für Jugendliche in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz zur Verfügung stellte.

Am 24. November 1925 im Brandenburgischen Blumberg geboren, musste Max Lauenburger schon in jungen Jahren Ausgrenzung und Diskriminierung erfahren. Nach der Inhaftierung seines Vaters durch die Gestapo im Konzentrationslager Dachau floh die Mutter mit dem damals 13 jährigen Max Lauenburger und seinen neun Geschwistern 1938 nach Oberschlesien. Dort wurde die Familie entdeckt und Max Lauenburger mit seinen jüngeren Geschwistern in ein Waisenhaus in Schwarnewanz bei Oppeln eingewiesen.

Nach seiner Entlassung im Alter von 14 Jahren wurde er zur Zwangsarbeit in der Landwirtschaft verpflichtet. Im Februar 1943 in Dresden verhaftet, wurde er im März desselben Jahres mit weiteren Angehörigen in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort wurden in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 etwa 4.300 Sinti und Roma in den Gaskammern ermordet, darunter seine Mutter und sieben seiner Geschwister. Max Lauenburger überlebte, da er nach Selektionen durch die SS als „arbeitsfähig“ eingestuft und im April 1944 nach Buchenwald und kurze Zeit später nach Mittelbau-Dora verlegt wurde. Im Mai 1945 wurde er von britischen Truppen in Bergen-Belsen befreit.

Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, würdigte Max Lauenburger mit sehr persönlichen Worten:

„Mit Max Lauenburger verlieren wir eine ganz besondere Persönlichkeit. Trotz seines schweren Schicksals hat er sich immer für die Versöhnung mit der Mehrheitsbevölkerung eingesetzt. Damit erwarb er sich bei allen, die ihm begegnen durften, Respekt und Anerkennung. Die Zukunft seiner Kinder hat er immer in Deutschland und im demokratischen Rechtstaat gesehen. Die rassistischen Wahlplakate der NPD in Ingolstadt, die sich 2017 explizit gegen unsere Minderheit gerichtet hatten, haben Max Lauenburger sehr erschüttert und bei ihm, wie bei vielen Überlebenden des Holocausts, wieder Besorgnis und Ängste geschürt. Aber er hat den Kampf nicht aufgegeben. Für ihn war die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland immer demokratisch und die wollte er auch durch seine Aktivitäten als Zeitzeuge immer unterstützen. Es war ihm ein großes Anliegen gerade der jungen Generation von seiner Verfolgung zu erzählen und damit die Erinnerung an diese schrecklichen Ereignisse wachzuhalten. Gerade in Zeiten, in denen in Europa Rechtsextremismus und Nationalismus wieder Erstarken, verlieren wir mit den letzten Überlebenden der NS-Verfolgungen wichtige Zeugen für unsere Geschichte und unsere Identität in Deutschland. Wir werden Max Lauenburger immer ein ehrendes Andenken bewahren.“

Im Jahr 2009 zeichnete das Dokumentations- und Kulturzentrum das Verfolgungsschicksal von Max Lauenburger im Rahmen eines Videointerviews auf, welches seitdem im Rahmen der dortigen pädagogisch-didaktischen Arbeit mit Schülergruppen und Studierenden verwendet wird.