Ausstellungspremiere in Nürnberg

Am 10. Mai fand in Nürnberg die Eröffnung der vom Dokumentations- und Kulturzentrumzentrum Deutscher Sinti und Roma neu konzipierten deutschsprachigen transportablen Ausstellung „Rassendiagnose: Zigeuner“ – Der Völkermord an den Sinti und Roma und der lange Kampf um Anerkennung statt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 2. Juli im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg zu sehen.

Nach der Begrüßung des Nürnberger Oberbürgermeisters Ulrich Maly und einem Grußwort von Erich Schneeberger, Vorsitzender des bayerischen Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma, stellte Romani Rose den inhaltlichen Aufbau und die konzeptionellen Grundlagen der Ausstellung vor. Besonders bedeutend war, dass auch zwei Überlebende des Völkermords an der feierlichen Eröffnung teilnahmen. „Die Realisierung dieser Ausstellung wäre nicht möglich gewesen ohne die breite Unterstützung der Überlebenden des Völkermords und ihrer Angehörigen, die uns ihre Erinnerungen und ihre alten Familienfotos anvertraut haben“, betonte Romani Rose in seinen einleitenden Worten.

Mit Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes hat das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg im letzten Jahr die Ausstellung erarbeitete. Sie zeigt den nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma auf: von der Ausgrenzung und Entrechtung der Minderheit im Deutschen Reich bis zu ihrer systematischen Vernichtung im besetzten Europa.

Der menschenverachtenden Perspektive der Täter werden Zeugnisse der Opfer gegenübergestellt. Historische Familienfotos von Sinti und Roma geben Einblicke in die Lebenswirklichkeit der Menschen und lassen sie als Individuen hervortreten. Die Ausstellung macht die zerstörten Lebenswege hinter den abstrakten Dokumenten der bürokratisch organisierten Vernichtung sichtbar.

Behandelt wird auch die Geschichte der Überlebenden im Nachkriegsdeutschland, die erst spät als NS-Opfer anerkannt wurden. Es war die Bürgerrechtsbewegung der deutschen Sinti und Roma, die die ideologischen und personellen Kontinuitäten aus der Zeit des „Dritten Reiches“ zum Gegenstand einer gesellschaftlichen Debatte gemacht hat. Am Ende der Ausstellung steht ein Ausblick auf die Menschenrechtssituation der Sinti- und Roma-Minderheiten in Europa nach 1989.

Die Besucherinnen und Besucher haben die Möglichkeit, mit ihren mobilen Geräten Videos zu einzelnen Themen abzurufen, unter anderem Berichte von Überlebenden des Völkermords. Ab Herbst 2017 steht außerdem eine inhaltlich erweiterte Onlineversion der Ausstellung zur Verfügung. Nach der Präsentation in Nürnberg macht die transportable Ausstellung auch Station in Köln, Ingolstadt und Bergisch-Gladbach.

Ausstellungspräsentation in Nürnberg

Datum

11. Mai 2017 bis 2. Juli 2017

Veranstaltungsort

Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Bayernstraße 110
90478 Nürnberg

Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.