Internationale Ausstellung in London eröffnet

Im Rahmen des Veranstaltungsmonats zur Geschichte der Sinti und Roma in England ist die internationale Ausstellung des Dokumentationszentrums über den Holocaust an den Roma und Sinti im Mile End Arts Pavilion in London noch bis zum 20. Juni zu sehen. Die offizielle Eröffnungsveranstaltung fand am 8. Juni unter Beteiligung zahlreicher Gäste statt. Neben der Organisatorin des Geschichtsmonats, Patricia Knight, sprachen der Vorsitzende des Dokumentationszentrums, Romani Rose, und der stellvertretende Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, der Gesandte Dr. Eckhardt Lübkemeier. Rose verknüpfte mit der Ausstellungspräsentation die Chance auf ein wachsendes Bewusstsein auch in Großbritannien für die lange Zeit aus dem Sichtfeld genommenen Völkermordverbrechen der Nazis, denen Hunderttausende Roma und Sinti im nationalsozialistischen besetzten Europa zum Opfer fielen. Der deutsche Gesandte sprach von der Verantwortung der deutschen Nachkriegsgeneration, die Verbrechen der Nazis als Teil der deutschen Geschichte zu akzeptieren und verwies auf das Diktum Kierkegaards, dass das Leben rückwärts verstanden, aber vorwärts gelebt werden muss. Als einer der ersten Historiker, der sich mit der Erforschung des Holocaust an den Sinti und Roma beschäftigt hatte, sprach Donald Kenrick über die rassenpolitischen Motive der Nazis bei der Verfolgung von Sinti und Roma. Carly Whyborn von der Holocaust Memorial Day Stiftung nahm in ihrer Ansprache Bezug auf die bisherige Tätigkeit der Stiftung. Paul Polansky thematisierte die für die dortigen Roma äußerst problematischen Zustände im Kosovo und kritisierte die deutsche Praxis der Abschiebung von Roma dorthin. Der englische Rom, Oxford-Absolvent, Literat und Journalist Damian Le Bas moderierte die Veranstaltung. Am Vormittag des 8. Juni folgte Romani Rose einer Einladung Lord Aveburys in den Palast von Westminister. Der Lord engagiert sich seit vielen Jahren für die Einhaltung der Menschenrechte und die Anerkennung der Roma-Minderheiten in England. Rose informierte Lord Avebury über die Arbeit des Zentralrats und des Dokumentationszentrums Deutscher Sinti und Roma. Im Verlauf des weiteren Meinungsaustausches wurde die Situation der Minderheit in England, die Bedeutung der historischen Erfahrung des Holocaust an den Sinti und Roma sowie die wachsende Bedrohung durch die fortgesetzte Diskriminierung der Minderheit sowie die zunehmenden rassistische Gewalt gegenüber ihren Angehörigen thematisiert. Bereits am 7. Juni fand, ebenfalls im Rahmen des Geschichtsmonats der Minderheit, in der Universität von Greenwich ein von Prof. Thomas Acton initiiertes und organisiertes Seminar zum Thema „Verfolgung und Völkermord: Auslöser einer Geschichte der Roma?“ statt. Der Vorsitzende des Dokumentationszentrums sprach dort über die Geschichte des Holocaust und der Bürgerrechtsbewegung Deutscher Sinti und Roma sowie die Vermittlung des Holocaust an den Sinti und Roma in Deutschland. Er betonte dabei, dass Menschen- und Minderheitenrechte unteilbar seien und der Antiziganismus gleich dem Antisemitismus konsequent geächtet werden müsse, wenn nicht all das verraten werden solle, wofür Auschwitz als unsere gemeinsame historische Verpflichtung stehe. Im Anschluss an das Seminar fand die Eröffnung einer Ausstellung mit Werken von Otto Pankok in der Stephen Lawrence Gallery der Universität von Greenwich statt. Seit Anfang der 1930er Jahre wurden die Sinti in Nordrhein-Westfalen zu Pankoks wichtigsten Modellen. Von den Nazis wurden seine Bilder als „entartet“ diffamiert. Sein Großneffe Moritz Pankok hat nun für die Ausstellung einige wichtige Werke zusammengetragen, die noch bis zum 26. Juni zu sehen sind. In seiner Eröffnungsansprache würdigte Romani Rose Otto Pankok als einen großen Künstler, dessen Denken und Handeln vom Bewusstsein für die Würde eines jeden einzelnen Menschen erfüllt war.