Wir trauern um Walter Winter

Der Auschwitz-Überlebende Walter Stanoski Winter verstarb am 19. November 2012 in Hamburg. Geboren wurde er am 19. Juni 1919 in Wittmund.

Im Frühjahr 1943 wurde er zusammen mit seinen Angehörigen in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Bei der letzten Selektion am 2. August 1944 im Lagerabschnitt B II e, dem sogenannten „Zigeunerlager“, stufte die SS Walter Winter als „arbeitsfähig“ ein. Er kam auf einen Transport in die Konzentrationslager Sachsenhausen und Ravensbrück. Seine Befreiung erlebte er im Mai 1945. Die meisten Angehörigen aus seiner Familie fielen dem Holocaust zum Opfer.

Nach 1945 musste Walter Winter lange um die Anerkennung als Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung kämpfen. Später war es ihm als Zeitzeuge stets ein großes Anliegen, die Geschichte der Verfolgung und Vernichtung der Sinti und Roma an die jüngeren Generationen weiterzugeben. Regelmäßig berichtete er in Schulen und Universitäten auch über sein eigenes Schicksal. Besonders in der Gedenkstätte Auschwitz traf er über viele Jahre mit jungen Menschen aus Deutschland und aus anderen Ländern zusammen. Bis zuletzt war er sich seiner großen Verantwortung als Zeitzeuge bewusst: „Die Erinnerungsarbeit ist für mich oft sehr anstrengend, aber sie ist wichtig. Und man darf es auch nicht vergessen.“ 1999 sowie 2009 erschienen seine Erinnerungen als Buchveröffentlichung, die jeweils großes Interesse fanden.

Walter Winter setzte sich ebenso dafür ein, dass in Berlin das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas realisiert wird. Es ist tragisch, dass er die Einweihung dieses Denkmal am 24. Oktober 2012 durch die Bundeskanzlerin nicht mehr erleben konnte. Sein jahrzehntelanges Eintreten für die Sinti und Roma wurde unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt. Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, würdigte Walter Winter als eine Persönlichkeit, der die Sinti und Roma viel zu verdanken haben. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma wird Walter Winter ein ehrendes Andenken bewahren.