Vom Schicksal der Sinti und Roma: Theaterlesung mit Gespräch

Mit der Entrechtung, Ausgrenzung und Verfolgung der Sinti und Roma beschäftigt sich „zwinger x das vergessene schicksal“, eine Lesung mit anschließendem Gespräch am Mittwoch, 1. April 2026, um 20 Uhr, zu der das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma gemeinsam mit dem Theater und Orchester Heidelberg in die Zwingerstraße einlädt. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe zwinger x gibt es ein solidarisches Preisprinzip: Besucherinnen und Besucher entscheiden selbst, wie viel sie bezahlen können und wollen. Weitere Informationen sowie Karten unter www.theaterheidelberg.de oder an der Theaterkasse, Theaterstraße 10; 06221 / 58 20 000; tickets@theater.heidelberg.de.

Ausgezeichnete Recherche: Das Stück von Johanna Lenz zählte in Baden-Württemberg zu den Landessiegern des Wettbewerbs und erreichte auf Bundesebene einen hervorragenden dritten Platz. Foto: privat

Die Geschichte der Sinti und Roma findet in Öffentlichkeit und Unterricht bis heute häufig wenig Beachtung. Genau dieses „vergessene Schicksal“ rückt Johanna Lenz, FSJlerin am Theater und Orchester Heidelberg, mit ihrem Theaterstück in den Mittelpunkt. Sie selbst hat während ihrer Schulzeit zunächst nur wenig über den Völkermord an der Minderheit während der NS-Zeit erfahren. Erst als sich ihre Geschichts-AG am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten mit dem Thema „Bis hierhin und nicht weiter!? Grenzen in der Geschichte“ beteiligte, begann sie, sich intensiver mit dieser Geschichte auseinanderzusetzen. Das Ergebnis dieser Recherche ist das Theaterstück „Bisterdo destin – Das vergessene Schicksal der Sinti und Roma“. („Bisterdo destin« bedeutet auf Romanes, der Sprache der Sinti und Roma, „Vergessenes Schicksal“.) Das Stück zählte in Baden-Württemberg zu den Landessiegern des Wettbewerbs und wurde auf Bundesebene mit einem hervorragenden dritten Preis ausgezeichnet. Bei „zwinger x das vergessene schicksal“ werden Timo Jander und Leonie Kohlhoff aus dem Ensemble des Jungen Theaters Heidelberg ausgewählte Szenen daraus lesen. Ergänzt wird die Lesung durch historische Einordnungen. Am Ende der Veranstaltung besteht die Möglichkeit, in einer offenen Runde Fragen zu stellen und mit allen Beteiligten ins Gespräch zu kommen.

Mit Fokus auf lokale Ereignisse in Mosbach, Neckarzimmern und der Region verbindet das Stück historische Fakten mit persönlichen Geschichten: Die Schülerin Maripen soll für ein Projekt das Thema „Grenzen zwischen Menschen“ bearbeiten. Auf der Suche nach einem persönlichen Zugang wendet sie sich an ihre Großmutter Ursita, eine Sintezza, die zunächst zögert, schließlich jedoch beginnt, ihre jahrzehntelang verdrängte Familiengeschichte zu erzählen. Figuren wie die beiden Protagonistinnen schlagen eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dabei greift das Stück das Motiv der „Grenzen“ – zwischen Menschen, Generationen und gesellschaftlichen Gruppen – auf und konfrontiert das Publikum unmittelbar mit der Geschichte der Verfolgung der Sinti und Roma sowie ihren Nachwirkungen bis in die Zeit nach 1945.