Erinnerung bewahren, Antiziganismus begegnen

Die saarländische Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot hat das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg besucht und dabei ein deutliches Zeichen für eine lebendige Erinnerungskultur und den entschlossenen Einsatz gegen Antiziganismus gesetzt. Im Mittelpunkt standen der Austausch mit Romani Rose, Geschäftsführer des Dokumentationszentrums, und Diana Bastian, Vorsitzende des saarländischen Landesverband der Sinti und Roma, über historische Verantwortung, aktuelle Diskriminierungserfahrungen und konkrete Schritte für eine stärkere Verankerung des Themas in Bildung und Gesellschaft.

Intensiver Austausch: Romani Rose, Christine Streichert-Clivot (Mitte) und Diana Bastian. Foto: MBK/Gesellchen

„Die Geschichte der Sinti und Roma ist ein unverzichtbarer Teil unserer gemeinsamen Vergangenheit und muss fest in unserer Bildungsarbeit verankert sein – auch im Saarland. Dass der saarländische Landtag derzeit eine Änderung der Landesverfassung berät, mit der auch der Schutz vor Antiziganismus und Antisemitismus ausdrücklich aufgenommen werden soll, ist ein wichtiges Signal. Zugleich setzen wir die gemeinsamen Empfehlungen der Kultusministerkonferenz und des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma konsequent in unseren Schulen um. Vor allem junge Menschen müssen erfahren, dass hinter Geschichte immer auch persönliche Schicksale stehen. Nur wenn wir erinnern und aufklären, können wir Vorurteilen entgegenwirken und Vielfalt als das verstehen, was sie ist: eine Bereicherung für unsere Gesellschaft. Mein besonderer Dank gilt den Menschen vor Ort, die mit ihrer engagierten Bildungs- und Erinnerungsarbeit tagtäglich dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und Perspektiven zu eröffnen“, sagte Christine Streichert-Clivot.

Das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma macht seit 1997 die mehr als 600-jährige Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland erlebbar. Mit einer europaweit einzigartigen Dauerausstellung zum Holocaust, in der auch Berichte von Überlebenden zu Wort kommen, leistet das Zentrum einen wichtigen Beitrag dazu, dass die Verfolgung von Sinti und Roma Teil der Erinnerungskultur bleibt. Darüber hinaus erforscht und dokumentiert das Zentrum ihre Geschichte, leistet politische Bildungsarbeit gegen Antiziganismus, initiiert Kulturprojekte und bietet insbesondere jungen Sinti und Roma Unterstützung an.

Antiziganismus ist auch heute noch ein Problem in der Gesellschaft, das sich im Alltag ganz unterschiedlich äußern kann. Im Saarland wurde 2024 das Denkmal „Nachhall“ als interaktives Mahnmal im Saarbrücker Echelmeyerpark eingeweiht und bereits 2025 zweimal beschädigt. Im selben Jahr beschloss die Kultusministerkonferenz zusammen mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma eine Empfehlung zum Umgang mit Antiziganismus in Schulen, die vom Ministerium für Bildung und Kultur aktiv umgesetzt wird. Daneben berät der saarländische Landtag derzeit eine Änderung der Landesverfassung, mit der auch der Schutz vor Antiziganismus und Antisemitismus aufgenommen werden soll.

Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma betonte: „Die praktische Umsetzung der Empfehlungen der Kultusministerkonferenz ist im Saarland in beispielhafter Weise gelungen. Nicht zuletzt ist dies auch der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen dem Bildungsministerium und dem saarländischen Landesverband der Sinti und Roma unter dem Vorsitz von Diana Bastian zu verdanken.“

Der Besuch des Zentrums rückt einen zentralen Aspekt in den Vordergrund: Erinnerungskultur bedeutet nicht nur Rückblick, sondern verpflichtet zum Handeln im Hier und Jetzt. Antiziganismus ist kein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte, sondern eine gesellschaftliche Realität, der aktiv begegnet werden muss. Zugleich wird deutlich, dass demokratische Bildung nicht allein im Klassenzimmer entsteht, sondern immer dann, wenn Erinnerungskultur und aktive Auseinandersetzung zusammenfinden.