Als die Ermittler der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg 1960 auf die Namen der Angehörigen des Sonderkommandos 4a der Einsatzgruppe C stoßen, werden diese von ihrer bereits vergessen geglaubten NS-Vergangenheit eingeholt. Das Sonderkommando hat auf seiner Marschroute durch die Ukraine 1941 eine Blutspur hinterlassen: Rund 80.000 ukrainische Jüdinnen und Juden fallen den von ihm begangenen Massakern zum Opfer. Gegen elf Angehörige des 60 bis 80 Mann starken Kommandos wird 1967 im Zuständigkeitsbereich des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer das Hauptverfahren eröffnet. Mit Fokus auf den Hauptangeklagten Kuno Callsen und das Massaker von Babyn Jar beleuchtet Joscha Döpp das Strafverfahren am Mittwoch, 15. April, um 18 Uhr im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma. Der Eintritt ist frei.

Der Frankfurter Historiker untersucht die Ermittlungen zu den Verbrechen des Sonderkommandos und deren Vorgeschichte, den Ablauf des Prozesses in Darmstadt sowie seine zeitgenössische Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Seine Masterarbeit mit dem Titel „Von Babyn Jar nach Darmstadt“ ist im Göttinger Wallstein Verlag erschienen und wurde 2024 mit dem Stanislav Zámečník-Studienpreis des Comité International de Dachau (CID) ausgezeichnet.
Während die Ermittler bahnbrechende Grundlagenforschung betrieben hatten, fiel das Darmstädter Gerichtsurteil aufgrund der bundesdeutschen Gehilfenrechtsprechung mit kurzen Freiheitsstrafen ernüchternd aus. Auch die begleitende Presseberichterstattung vermochte es nicht zu verhindern, dass der Prozess in Darmstadt trotz der Schwere der verhandelten Gewaltverbrechen schon bald wieder in allgemeine Vergessenheit geriet.

