Internationaler Tag der Roma: Romani Rose im Interview

Der 8. April ist der Internationale Tag der Roma. An diesem Tag trafen sich 1971 in London Roma-Repräsentanten aus 25 Ländern zum ersten Mal und gründeten die Romani Union. Ebenfalls an diesem Tag wurde beschlossen, die beleidigenden Fremdzuschreibungen durch die Eigenbezeichnung „Roma“ (Mensch) zu ersetzen.

In einem Interview mit der Deutschen Welle anlässlich des Gedenktages hat Romani Rose klar gemacht, was sich dringend ändern sollte:

DW: In Deutschland sind Sinti und Roma als nationale Minderheit anerkannt. In Europa wird über Strategien zur Integration der Roma debattiert. Wie zufrieden sind Sie mit der Situation der Minderheit in Deutschland und Europa?

Romani Rose: In einigen Bereichen hat sich etwas verbessert, aber womit wir gar nicht zufrieden sind, ist die Lebenssituation der Roma-Minderheit in Osteuropa. Da gibt es Situationen, die katastrophal sind. Sie sind mit den Werten, die wir uns in Europa nach dem Krieg aufgebaut haben, nicht im Einklang, sie sind menschenunwürdig.

Was sind das für Verhältnisse und welche Länder machen Ihnen besonders Sorgen?

Das sind besonders Bulgarien, Rumänien, aber auch Tschechien und die Slowakei. Dort gibt es informelle Ghettos, die ohne Kanalisation sind, ohne Strom und Wasser. Es gibt Ortschaften, in denen über tausend Menschen leben, die vollkommen ohne Perspektive sind. Diese Situation ist seit vielen Jahren bekannt. Das ist nicht mehr hinnehmbar. Es gibt eine Kindersterblichkeit, die viermal höher ist und die Lebenserwartung ist zehn Jahre geringer im Vergleich zur Mehrheitsbevölkerung.

Link zum Interview.