Mythos „Stauffenberg-Attentat“ – Das deutsche Alibi?!

Zum 20. Juli 1944 scheint alles gesagt. Es ist bekannt, wie Claus Schenk Graf von Stauffenberg die Bombe platzierte, warum der Anschlag misslang und trotzdem aller Ehren wert ist. Dass aber in Wirklichkeit rund 200 Personen, ein breites Bündnis von Menschen aller sozialen Schichten und unterschiedlicher politischer Couleur am sogenannten „Stauffenberg-Attentat“ beteiligt waren, ist nur wenigen bewusst. Noch heute gilt der 20. Juli 1944 als „Aufstand des Gewissens“ einer kleinen Gruppe konservativer Militärs, noch heute verstellt diese legendenhafte Überhöhung den Blick auf die Ereignisse und die gesellschaftliche Vielfalt der Verschwörung. Die Journalistin Ruth Hoffmann hat mit „Das deutsche Alibi“ eine längst überfällige Dekonstruktion des Mythos vorgelegt, die sie am Donnerstag, 16. Juli, um 18 Uhr im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma vorstellt. Der Eintritt ist frei.

Nach dem gescheiterten Attentat: Claus Schenk Graf von Stauffenberg wurde noch am 20. Juli 1944 in Berlin hingerichtet. Foto: CPA Media Pte Ltd / Alamy Stock Foto

Darin zeichnet sie nach, wie der 20. Juli seit Gründung der Bundesrepublik politisch instrumentalisiert wird: Mal, um sich gegen die DDR abzusetzen und kommunistische Widerständler zu diffamieren. Mal, um Politikern, die mit dem NS-Regime kollaboriert hatten, eine Nähe zum Widerstand anzudichten.  Oder – wie die AfD – um die eigene Demokratiefeindlichkeit mit einem angeblichen Widerstandsgeist in der Tradition Stauffenbergs zu kaschieren.

„Das deutsche Alibi“ war für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert und wurde mit dem Sachbuchpreis der Zeit Stiftung Bucerius ausgezeichnet.

Am 20. Juli 2026 jährt sich das sogenannte „Stauffenberg“-Attentat zum 82. Mal. Eine gute Gelegenheit, um einen kritischen Blick auf die Rezeption des Ereignisses zu werfen, das die Bundesrepublik auch lange nach Kriegsende noch intensiv beschäftigte.