„Sechs Jahre und ein paar Tage“: Gedenken an den Anschlag von Hanau

Am 19. Februar 2020 erschoss in Hanau ein polizeibekannter Rechtsextremist neun Menschen mit Einwanderungsgeschichte – eine der brutalsten Mordserien der jüngeren deutschen Vergangenheit, die bis heute kaum aufgearbeitet wurde. An diesen Anschlag erinnert jedes Jahr rund um den 19. Februar ein Heidelberger Bündnis, an dem sich auch das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma beteiligt. Diesmal gastiert das Staatstheater Mainz am Freitag, 13. Februar, um 19 Uhr mit dem Theaterstück „And now Hanau“ im Heidelberger Landgericht. Die Initiative „Erinnern.Verändern“ wiederum hat gleich mehrere Veranstaltungen angestoßen, zu denen am Donnerstag, 12. Februar, um 18 Uhr eine Führung durch die Dauerausstellung des Dokumentationszentrums zählt. Am 19. Februar wird zudem um 17.30 Uhr auf dem Heidelberger Marktplatz, der Ermordeten von Hanau gedacht.

Unter der Friedensbrücke in Frankfurt erinnert ein 27 Meter langes Gedenk-Graffito an die Opfer des Anschlags von Hanau. Copyright: imageBROKER/FlorianxGaul

Die europaweit einzige Dauerausstellung zum Holocaust an den Sinti und Roma kann im Dokumentationszentrum besucht werden. Präsentiert wird die Verfolgungsgeschichte der Minderheit
zwischen 1933 und 1945 – von der stufenweisen Ausgrenzung und Entrechtung bis hin zur systematischen Vernichtung. Ausgehend von den Menschen, die erst zu Opfern gemacht wurden, sind ihre Biographien ins Zentrum gerückt. Eine Anmeldung für die Führung ist unter info@sintiundroma.de möglich. Der Eintritt ist frei. Infos zu den weiteren Veranstaltungen finden sich unter https://erinnern-veraendern.de/

Der Theaterautor, Regisseur, Schauspieler und Arzt Tuğsal Moğul setzt sich in seinen Werken mit den Auswirkungen rassistisch motivierter Gewalt in Deutschland auseinander. Moğul lässt in seinem Stück „And now Hanau“ die Opfer zu Wort kommen und fragt nach den vielen Fehlern, die vor, während und nach dem Anschlag von Seiten der Polizei, Staatsanwaltschaft, Politik und den Medien begangen wurden: Der Attentäter war der Polizei bereits als rechtsextrem bekannt. Wieso wurde er nicht besser überwacht? Wieso war der Notruf 110 in der Tatnacht nicht erreichbar? Wieso war der Notausgang in der Arena-Bar verschlossen? Wie kann es sein, dass Einsatzleute des SEK am Tatort später als rechtsextremistisch entlarvt wurden? In enger Zusammenarbeit mit der Initiative „19. Februar Hanau“ fragt auch Moğul nach Konsequenzen und fordert eine lückenlose Aufklärung, um Opfern und Angehörigen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und ihrer zu gedenken.

Die Aufführung im Schwurgerichtssaal des Heidelberger Landgerichts an der Kurfürsten-Anlage 18 ist ausverkauft. Restkarten gibt es an der Abendkasse. Es gilt ein solidarisches Preissystem von 3 bis 19 Euro.

Das Gedenken an die rechtsterroristischen Anschläge in Hanau und Halle, in Heidelberg zusammengefasst unter dem Titel „Sechs Jahre und ein paar Tage“, ist eine Kooperation des Theaters und Orchesters Heidelberg (zwinger x), des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma, der Muslimischen Akademie Heidelberg, von Mosaik Deutschland e. V., Erinnern.Verändern, des Migration Hub Heidelberg, Kein Schritt nach rechts Heidelberg, der Freunde Arabischer Kunst und Kultur e. V., des Karlstorbahnhofs, des Migrationsbeirats der Stadt Heidelberg, des Interkulturellen Zentrums und des Amts für Chancengleichheit im Rahmen des Runden Tisches gegen Rassismus der Stadt Heidelberg. Die Veranstaltungsreihe wird gefördert durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.