In der spannenden Biographie „Auschwitz-Häftling Nr.2“ erzählt der Journalist Sebastian Christ die außergewöhnliche und berührende Geschichte von Otto Küsel, der von Nationalsozialisten als „Berufsverbrecher“ eingesperrt wurde. Der Mann, der als Funktionshäftling für die Einteilung von sogenannten Arbeitskommandos zuständig war, tat im KZ das Gegenteil dessen, was von ihm verlangt wurde. Der Autor stellt das Leben von Otto Küsel am Donnerstag, 19. März, ab 18 Uhr im Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma vor. Dabei wird Sebastian Christ auch aufzeigen, warum der in Berlin geborene Küsel in Polen ein Held, in Deutschland aber kaum bekannt ist. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus statt. Der Eintritt ist frei.

Otto Küsel kam im Mai 1940 als Häftling Nr. 2 nach Auschwitz. Dort sollte er als Kapo andere Gefangene mit besonderer Gewalt zur Arbeit zwingen. Stattdessen aber hat er als Funktionshäftling Hunderten von polnischen Inhaftierten das Leben gerettet, indem er sie vor der „Vernichtung durch Arbeit“ bewahrte. „Er hat in Ausschwitz menschliche Ideale gelebt. Und das ist tatsächlich etwas, was mich sehr fasziniert hat an seiner Geschichte. Trotz der Möglichkeit, die er hatte. Ich meine, wer als Kapo eingeteilt wurde, der hat vom System eine Chance bekommen“, so Sebastian Christ.
1942 gelang Otto Küsel eine der spektakulärsten Fluchten aus Auschwitz. Neun Monate lebte er im Untergrund; der spätere polnische Außenminister und Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, Władysław Bartoszewski, wollte ihm in dieser Zeit gefälschte Papiere besorgen. Erneut verhaftet, überlebte Küsel Folter und Todesmarsch. Nach dem Krieg wurde ihm die polnische Staatsbürgerschaft ehrenhalber angeboten. Im ersten Auschwitz-Prozess in Frankfurt am Main hat er als Zeuge ausgesagt.
Der Journalist Sebastian Christ, der 20 Jahre auf Küsels Spuren geforscht hat, erzählt seine erschütternde wie heldenhafte Geschichte.


